
Um die Bremswirkung normgerecht zu reduzieren, empfehlen wir für die verwendete Felgenbremse (eine V-Brake) verschiedene Einstellungsmöglichkeiten. Die nachfolgend beschriebenen Möglichkeiten sind auch kombinierbar, daher sollten diese vor der Umsetzung untereinander abgewogen werden.
Grundeinstellung: Die Bremsschuhe sind so positioniert, dass sie bei angezogener Handbremse mit der gesamten Reibfläche anliegen. Die sogenannte Federvorspannung ist im mittleren Einstellungsbereich. Der Abstand zwischen Bremsschuhe und Felge bei nicht betätigter Bremse beträgt, wie bei der V-Brake üblich, in der Grundesinstellung rechts und links jeweils ca. 1-2 mm. Durch Ziehen am Handbremshebel werden die Bremsarme zusammengedrückt. Dadurch gelangen die Bremsschuhe seitlich an die Felge.
Der Produkttest hat jedoch gezeigt, dass bei dieser Einstellung und bei höherer Handkraft, ab 60 N, die Bremswirkung zu hoch ist.
Möglichkeit 1: Eine erste Maßnahme ist, dass der Abstand zwischen dem Bremschuhen und der Felge beidseitig auf ca. 2 bis 3 mm vergrößert wird. Hierdurch wirken die Bremskräfte erst verzögert, nachdem der linke Handbremshebel betätigt wird. Die Anfangskraft, die für die Betätigung des Bremsenmechanismus verwendet wird, verläuft noch ohne Bremseffekt. Zudem wird die volle Bremskraft erst bei einem größeren Druckpunkt der Bremshebel erreicht. Unter Umständen schlägt der Bremshebel bereits vor Erreichen der 80 N an den Bremsgriff, so dass die zu hohen Bremskräfte nicht mehr erreicht werden können.
Der Bremszug muss dazu entsprechend wie folgt gelockert werden: Vor dem Öffnen der Klemmschraube mit einem 5 mm Inbusschlüssel sollte das Zugführungsrohr aus dem Rohrgegenhalter gehakelt werden. Dazu werden die Bremsarme in Richtung Felge gedrückt. Bei gelockerter Zugklemmschraube wird der Bremszug auf Seite des Faltenbalgs um ca. 2 mm verlängert. Der Abstand zwischen den Bremsarmen wird so entsprechend vergrößert. Anschließend wird die Zugklemmschraube entsprechend festgedreht und das Zugführungsrohr abschließend wieder in den Rohrgegenhalter gesteckt.
Der neue Abstand zwischen den Bremsschuhe und der Felgenflanke sollte nun 2 mm bis 3 mm betragen. Wir weisen jedoch darauf hin, dass diese "lockere" Einstellung nicht dem Grundgedanken einer wirksamen V-Bremse entspricht!
Möglichkeit 2: Eine sehr einfache und wirksame Maßnahme zur Reduzierung der Bremsleistung ist die Erhöhung der Federspannung an den Federeinstellschrauben. Die Federn befinden sich geschützt zwischen den sogenannten Pivots (Drehachse an der Vorderradgabel) und am Drehpunkt der Bremsarme. Werkseitig sind die Federkräfte der Vorderradbremse im mittleren Bereich eingestellt. Die beidseitigen Federeinstellschrauben befinden sich in der Grundeinstellung in mittlerer Position. Durch das Anziehen der Einstellschraube (Rechtsdrehung) wird die Feder stärker gespannt. Auf beiden Seiten können die Einstellschrauben zunächst bis zum Anschlag hineingedreht werden. Nach Betätigung des Handbremshebels kann es jetzt zur einseitigen Funktion der Bremse kommen. Hierzu wird die Einstellschraube des weiter ausstehenden Bremsarms wieder so weit linksherum gedereht, bis die Bremsarme rechts und links synchron ziehen.
Für die gleiche Bremsleistung muss jetzt mehr Handkraft aufgewendet werden. Die Veränderung wird durch diese Maßnahme bereits spürbar sein.
Möglichkeit 3: Die Federn, die geschützt zwischen den sogenannten Pivots (Bremssockel an der Vorderradgabel) und den beiden Bremsarmen verbaut sind, regeln die Rückholkraft der Bremsarme. Die sogenannte Vorspannung (Federspannung an den Bremsarmen) kann deutlich erhöht werden. Dazu müssen die beiden Rückholfedern in eine andere Position gebracht werden.
Hierzu wird zunächst mit einem 5 mm Inbusschlüssel, wie in Möglichkeit 1 beschrieben, das Bremsseil gelöst. Anschließend werden mit dem selben Werkzeug (wie nachfolgend bebildert) die Bremsbefestigungsschrauben aus den Pivots (Bremssockeln) geschraubt. Nachdem die Bremsarme nach vorn abgezogen wurden, sind auf der Rückseite der Arme die Metallenden der Federn zu sehen. Diese Federdrahtenden sind in der Grundeinstellung im mittleren Loch des Sockels gesteckt. Die Federkraft wird erheblich erhöht, wenn diese Drahtenden nun in die oberen beiden Löcher gesteckt werden. Im Anschluss daran werden die Bremsbefestigungsschrauben wieder festgezogen und auch der Bremszug an der Klemmschraube befestigt. Die Empfehlung 1 lässt sich mit dieser Einstellung gut kombinieren.
Durch diese Erhöhung der Rückholkraft muss deutlich mehr Kraft für die Bremswirkung aufgebracht werden. In der Regel widerspricht es der Logik, weil ja eine Bremse kinderleicht zu nutzen sein soll. Jedoch kann so ein Blockieren der Vorderräder verhindert werden.




Möglichkeit 4: Die Verwendung eines kleinen ergänzenden Bauteils am Zug der Vorderradbremse ist ebenfalls möglich.
Ein sogenannter Power-Modulator soll die Dosierung der Bremskraft erleichtern und kann bei Kinderfahrrädern auch als Bremskraftbegrenzer genutzt werden. Der Modulator enthält intern eine Feder, die bei größerer Handkraft die Bremskraft sanfter und gradueller dosiert.
Eine höhere Kraft der Bremsbetätigung wird durch ein Federsystem in dem Power-Modulator aufgenommen und begrenzt. Im optimalen Fall sollte die Bremskraft vor einer Reifenblockade zur Begrenzung der wirksamen Kräfte kommen. Laut Herstellerangabe wird dies und ein Blockierschutz jedoch nur innerhalb eines bestimmten Bremskraftbereichs erreicht. Sobald jedoch der Wirkungsbereich des Power-Modulators überschritten wird, ist die Wirkung der Handkraft wieder voll vorhanden. Dann kann die (plötzliche) Bremswirkung höher als beabsichtigt ausfallen und das Vorderrad möglicherweise spontan blockieren. Mit der Funktion eines Power-Modulators muss man sich vertraut machen und auch unter sicheren Bedingungen testen.
Die Montage eines Power-Modulators ist recht reinfach. Auch hierzu muss der Bremszug wie unter Empfehlung 1 gelöst werden. Nach Entfernung der Endkappe am Bremszug wird dieser aus dem gebogene Zugsführungsrohr gezogen. Der Bremszug wird durch den Power-Modulator gezogen. Dabei ist unbedingt die Ausrichtung des Power-Modulators (siehe nachfolgendes Bild) zu beachten. Anschließend wird der Bremszug wieder durch das Zugführungsrohr gefädelt und am Ende wieder durch die Klemmschraube befestigt. Ein zuvor entfernte Endkäppchen sollt aus Sicherheitsgründen wieder am Zugende befestigt werden.
Wir weisen darauf hin, dass die Wirkung des Power-Modulators sich erst in den oberen Kraftbereichen entfaltet. Diese sind für die meisten Kinder im Alter von etwa 4 Jahren ohnehin nicht möglich.

Ansprechpartner bei Bachtenkirch ist Mathias Fromm, 02924-878989, support@bachtenkirch.com.
Kontakt kann aber auch über das Online-Formular aufgenommen werden.











